Corona und die oitn Leit

Das Corona-Virus kann besonders für die Älteren lebensbedrohlich sein. Alle respektieren wir die Sorgen und Ängste der betagten Leute im Zusammenhang mit Corona, aber sonst…? Hat überhaupt irgendjemand bemerkt, wie die Alten heimlich, still und leise an den äußersten Rand einer ziemlich kaputten Gesellschaft geschwemmt worden sind?

Viele alte Menschen konnten plötzlich ihre Bankgeschäfte nicht mehr alleine erledigen. Das Fahren mit den Öffis ist für sie schon fast zu rasant geworden, weil fürs Ein- und Aussteigen bleibt allen, die nicht mehr ganz so mobil sind, immer weniger Zeit. Zu den hinter Glas verschanzten FahrerInnen kann man nicht mehr so leicht Kontakt aufnehmen. Das verunsichert und es macht traurig: Die in die Jahre Gekommenen müssen sich immer schneller einer ungesunden Entwicklung anpassen, die sie nicht verstehen.

Neben schneller ist alles oberflächlicher, billiger und verlogener geworden und wer in unserer Leistungsgesellschaft nichts mehr leistet, hat halt ausgedient.

Seit wir begonnen haben, uns im www. fast schon geschickter zu bewegen als im eigenen Leben, haben die älteren Menschen den Draht zu uns verloren.

Ist schon mal jemand von den Politikern auf die Idee gekommen, die älteren Menschen nach ihrer Meinung zu Corona zu befragen, oder nimmt man automatisch an, dass keiner über 70 mehr irgendetwas weiß?

Ich habe die Corona-Risikogruppe nach ihrer Meinung gefragt. Weil ich beruflich auch mit älteren Menschen zu tun habe, weiß ich ganz genau, dass hinter den gebeugten Omis und zittrigen Opis Menschen mit harten Schicksalen stecken, gegen die unsere virtuellen Welten und modernen Sorgen oft viel zu billig und klein sind.

Herma T., 84Jahre: „Ich bin nur froh, dass der Vater diese Zeit nicht mehr miterleben muss.“

Erika S., 80Jahre: „Wir ham den Krieg miterlebt. Wir Kinder sin mit der Mutter in der Nacht, als unser Haus bombardiert worden is, zum Cousin auf den Berg geflohen. Vor dem Bledsinn jetzt ham wir ka Angst.“

Traudlinde S., 75Jahre, Alzheimer: „Wenn ma denkt, es ist so schiach. man wird langsam kaputt. Wenn man wenigstens in der Kirche ist… Sie wollen uns umbringen. Die Leute wollen einen alle umbringen. Man kann nicht so leben wie man will. Ganz schiach is ois wordn.“

Eine Dame vor mir an der Kassa im Supermarkt: „Ich bin jetzt 80 und ich hab keine Angst. Die Leute haben vergessen, dass man irgendwann sowieso einmal sterben muss. Also wirklich, ich kanns nicht verstehen. Die Welt war noch nie so deppat wie heut. Und die Jungen finden das noch cool.“

 

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Claudia Maria

Ich wollte immer freier sein, und die geltenden Spielregeln habe ich schon als Kind angezweifelt. Meine Fragen waren immer: Warum tun die Menschen all das der Natur, den Tieren, einander und sich selbst an? Wofür? Die Erklärungen waren und sind für mich billige Ausreden. Warum können wir nicht endlich miteinander in Frieden leben? Jeder als für die anderen unverzichtbares Puzzleteilchen, jeder mit seiner eigenen Schönheit, in Liebe zum Leben und zueinander... gemeinsam ein großes, buntes, wunderbares Bild. Meine für mich selbst gefundenen Antworten waren immer die einzigen, denen ich vertrauen konnte. So bin ich heute ein ziemlich eigensinniger, selbstbestimmter Mensch. Ich bin so dankbar für meinen Weg und dankbar allen Menschen, die mich inspiriert haben. Vegan zu leben ist für mich der Anfang vom Frieden und die Basis aller Bemühungen um eine bessere Welt.

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